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   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


pressespiegel

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Faszinosium Musiktheater
1989 schrieb Beat Furrer seine erste Oper "Die Blinden" im Auftrag der "Wiener Staatsoper". Zur Zeit arbeitet er bereits an seinem vierten Musiktheater, der Oper "fama", die im Sommer in Zürich zur Uraufführung kommen soll.


Frage: Nach den Musiktheatern "Die Blinden", "Narcissus" und "Begehren" arbeiten Sie wieder an einer neuen Oper. Haben Sie sich zu einem Opernkomponisten entwickelt?"
Furrer: Ich glaube, das es heute keine Opernkomponisten im Sinne des 19. Jahrhunderts mehr gibt. Aber ich bin sehr fasziniert vom Musiktheater. Ich denke, dass es da noch unheimlich viel zu entdecken gibt. Man sollte das Genre Oper nicht so eng betrachtet im Sinne einer abgeschlossenen historischen Episode, sondern als Zusammenspiel von Wort, Klang, Bewegung und den Körpern der Menschen auf Bühne - ja, wo man sogar sehen kann wie ein Klang produziert wird. Ich finde es wunderbar, so ein künstliches Gebilde wie die Musik von Realität erfüllt sein zu lassen. Dass da eine Offenheit zur Welt vorhanden ist. Dass es ein theatralisches Geschehen gibt, das etwas mit unserem Leben zu tun hat. Also, nichts hermetisch Abgeschlossenes. Ich kann es nicht ausstehen, wenn Oper zu einer Ansammlung von bildungsbürgerlichen Klischees verkommt.
Frage: Was ist Ihnen beim Schreiben einer Oper wichtig?
Furrer: Das Zentrum ist die menschliche Stimme. Mir geht es darum, ihr wieder einen intimen Ausdruck zu verleihen. Ich möchte da alle Klischees über Bord werfen: Also, weg vom Bel Canto, weg vom Sprechgesang. Der Gesang soll wirklich diese körperliche Befindlichkeit besitzen, die mich auch an der gesprochenen Sprache fasziniert. Dass ich allein am Klang der Sprache ganz viel Informationen über mein Gegenüber erhalten kann. Dort soll für mich der Gesang ansetzen.
Frage: Wie verfahren Sie in Ihren Musiktheatern mit dem Text?
Furrer: Mich fasziniert gesprochene Sprache. Und ich glaube, dass jeder Gesang auf eine gesprochene Sprache referiert. Das heißt also, dass ich einen italienischen Text anders vertonen werde als einen deutschen. Jede Sprache hat ihre Eigenheiten. Ich würde nicht sagen, dass sich die eine besser zur Vertonung eignet als eine andere. Aber es gibt Gegebenheiten, die ich kompositorisch nutzen möchte. Beim Lateinischen z. B. ist es dieses Abstrakte, eher harte in der Aussprache und die Vielzahl von Vokalen - obwohl, das ist schon kritisch, weil wir ja gar nicht wissen, wie diese Sprache tatsächlich gesprochen wurde. Ich würde Latein nie in der direkten Rede benutzen. Ich habe es immer nur für chorische Passagen verwendet. Meistens versteht man ja da den Text ohnedies kaum. Aber ich lege sehr großen Wert darauf, dass die deutschen Texte verstanden werden.

erschienen in:
ORF ON, 13.01.2003   www.orf.at