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   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


pressespiegel

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"Letztes Gebet noch nicht gesprochen"


Herr Intendant, was ist das für ein Hin und Her mit Ihrem Vertrag, sind Sie nun definitiv bis 2007 verlängert oder nicht?
PETER OSWALD: Das Präsidium hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, also gehe ich davon aus. Sobald mir Präsident Jungwirth den Vertrag vorlegt, werde ich unterschreiben. Was reizt Sie eigentlich so an Graz, dass Sie so gerne bleiben?
OSWALD: Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Zum einen ist die Halbzeit der richtige Moment, Siege und Niederlagen zur reflektieren und Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Zum anderen betrachte ich die neue Helmut-List-Halle als ganz große Herausforderung. Sie bietet die Chance, unterschiedliche Formen kulturellen Verhaltens zusammenzuführen. So dass hier ein brodelnder Energiekessel entstehen könnte. Der "herbst" hat die Halle auf zehn Jahre voll gemietet. Das heißt, Sie müssen pro Jahr 220.000 Euro durch Untervermietung hereinbringen. Graut Ihnen da nicht ein wenig?
OSWALD: Mir graut überhaupt nicht. Für 2003 sind wir schon bestens gebucht, das Budget ist konsolidiert und die Anfragen häufen sich. Wir haben also ein Jahr Zeit, die Qualitäten dieses neuen Spielortes allerorts bekannt zu machen. Das heurige "herbst"-Motto lautet "Fremdkörper". Namen wie Elfriede Jelinek, Ulla Berkéwicz Achim Freyer, Beat Furrer, Josua Sobol. Salvatore Sciarrino oder Tocotronic sind aber alles andere als fremd. Setzen Sie heuer voll auf das Starprinzip?
OSWALD: Aber nein, wenn Sie zum Beispiel die Architektur hernehmen, sehen Sie, dass wir hier auf ganz junge oder radikale Positionen setzen. Aber insgesamt glaube ich an die sinnvolle Mischung von Bekannt und - noch - Unbekannt. Mit einer Ausnahme hatten Sie mit dem Theater bisher wenig Glück. Sind Sie für heuer optimistisch? OSWALD: Da sind wir verschiedener Meinung, das weiß ich: Wir hatten sehr viel Glück mit dem "Pulverfass", mit "Alle Jäger danke", mit dem Lepage, dessen Produktion wir gekauft haben, lange bevor sie heraus war. Ich habe mit dem Händl Klaus in der Regiefrage Pech gehabt, das ist unbestritten. Das war unser Fehler, für den wir zu Recht kritisiert worden sind. Ein gängiger Vorwurf an Sie lautet, zu wenig das heimische Schaffen einzubeziehen. Was antworten Sie?
OSWALD: Dass das schlicht und ergreifend nicht stimmt. Im Programm sind steirische Künstler bzw. Kunstschaffende mit steirischen Bezügen überproporzional vertreten. Aber, und das gehört in die oben erwähnte Reflexion, vielleicht gibt es kreative Ecken und Winkel, in die wir noch hineinleuchten müssen. Zum Amtsantritt haben Sie von privaten Geldern gesprochen, die der "herbst" nur abholen müsse. Wie hoch ist den der Sponsoranteil am heurigen Festival?
OSWALD: 340.000 Euro beziehungsweise 8,5 Prozent. Das "herbst"-Büro im Palais Attems wäre einem Barockfürstentum angemessen. Nun gibt es Bestrebungen des Landes, das Attems zu verkaufen, was halten Sie davon?
OSWALD: Ich brauche es nicht als Umfeld, ich würde sofort ausziehen, wenn uns das Land geographisch halbwegs gleichwertige Büros zur Verfügung stellt. Ich picke nicht hier. Es scheint, dass Kultur-Landesrat Gerhard Hirschmann in nicht ferner Zeit die Regierung verlassen wird, bedauern Sie das? OSWALD: Stimmt dieses Gerücht? So viel wir wissen schon.
OSWALD: Na ja, dann warte ich mit Spannung auf einen kompetenten Nachfolger. André Heller hat in seiner Nestroy-Preis-Rede Bundeskanzler Schüssel eines "zynischen Ego-Trips" bezichtigt. Sehen Sie das auch so ähnlich?
OSWALD: Selbstverständlich. Ja?
OSWALD: Ja! Nach der Wende haben Sie sich bestürzt über die neue Regierung geäußert. Im Rückblick: War es wirklich so schlimm?
OSWALD: Nein, da muss einiges relativiert werden. So wurde beispielweise das strategische Ziel erreicht, die FP auf ein Format zu redimensionieren, das ihr zusteht. Aber das letzte Gebet ist noch nicht gesprochen. In der Steiermark sind Sie als "herbst"-Intendant nicht einmal ins Schussfeld der lokalen FPÖ gekommen, was haben Sie falsch gemacht?
OSWALD: Ich glaube nicht, dass ich da etwas falsch gemacht habe. Ich bin bloß in der FP-Kult

Frido Hütter

erschienen in:
Kleine Zeitung, 24.10.2002   www.kleinezeitung.at