home
newsletter subscribieren!
switch to englishdeutsche version  
   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


pressespiegel

<<  zurück

Der Landvermesser


Mit seinen Fotos von sogenannten Color-Control Patches jener Fotofirma mit dem Slogan "You press the button, we do the rest", die er quer durch alle amerikanischen Bundesstaaten in postkartenmotivartige Landschaften hineingestellt und mit diesen fotografiert hatte, fand Michael Schuster Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts internationale Anerkennung. Die Obsession mit technischen Dispositiven, in diesem Fall dem Fotoapparat und seiner landvermesserischen Funktion, prägte das Verhältnis des Künstlers zu der von ihm abgebildeten Wirklichkeit.

Michael Schusters jüngste Arbeit "Drombeg", die den Anfang eines neuen Werkzyklus einleitet, widmet sich wiederum jenem raumvermesserischen Charakter der Fotografie und ihrer örtlichen Übertragung. Die Verwendung einer Roundshot-Kamera, die ein horizontales Panorama von 360 Grad erstellt, war Schuster bei der Aufnahme eines Steinkreises in Irland behilflich. Diesen Steinkreis galt es nun wandausfüllend in die Räumlichkeiten von Camera Austria zu transferieren, wobei hier die technischen Maße des Raumes zur Erstellung einer exakt berechneten Fototapete entscheidend waren. Dieser wurde erneut mit der Kamera erkundet und nach virtueller Umsetzung mittels computergenerierten Daten in Kongruenz mit dem abgebildeten Natursegment gebracht. Der/die Betrachter/in der Ausstellung wird im Gang mit all diesen Details sowie dem im Mini-Leuchtkasten funkelnden Dia konfrontiert, bevor er/sie in den eigentlichen Raum vordringt, dessen spirituelle Komponente sowohl von den abgebildeten Landschaftsinhalten als auch von der Dichte und Geschlossenheit des applizierten Bildmaterials herrührt.

Die Präsenz von Schusters raumspezifischer sowie medientechnisch-reflexiver Arbeit ist nicht nur ein Zeichen dafür, dass Camera Austria die neuesten Entwicklungen in sämtlichen Bereichen der Fotokunst verfolgt, sondern gilt auch als Metapher für die Zukunft dieser Zeitschrift, die in einem Jahr in das Kunsthaus Graz einziehen wird und erneut ihre Meisterinnenschaft im Umgang mit medial definierten Räumen unter Beweis zu stellen hat.

(8010 Graz, Sparkassenplatz 2/III, bis 24.11.2002)
http://www.camera-austria.at

Walter Seidl

erschienen in:
artmagazin.cc, 04.11.2002   http://artmagazine.cc