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   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


pressespiegel

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Modelle der Selbstinszenierung


Als subtiler Gegenpart zu dem Mainstream Programm des Festivals steirsc[:her:]bst erforscht die von Maia Damianovic kuratierte Ausstellung "Enactmenmts of the Self" die Befindlichkeiten einer Gesellschaft, in der die Differenz zwischen künstlerisch interventionistischen und realen Formen öffentlicher Repräsentanz anscheinend nur schwer lokalisierbar ist.

Ein zweistöckiges Hinterhofgebäude in jenem Areal, das auch den Kunstverein < rotor > beherbergt, wurde zur "Enactments Stage" erklärt, die einerseits als Ausstellungshalle und andererseits als Bühne für "Gesprächs-, Essens- und Arbeitssituationen" mit unterschiedlichen, dafür ausgewählten sowie angemeldeten PartizipatorInnen bestimmt ist.

Der performative Akt, der in diesen Hallen verdichtet wird, nahm bzw. nimmt bereits im Stadtraum von Graz seinen Anfang. Den Auftakt bildete das Konzert der südafrikanischen Sängerin Brenda Fassie anlässlich der Eröffnung des Festivals. Ebenso begann Barbara Holub mit ihren Castings in einem amerikanischen Straßenkreuzer, um die ausgewählten Personen danach zu einem "Zaungespräch" in einer im Ausstellungsgebäude errichteten Gartenidylle zu bitten. Die editierten Videos mit Castings und Zaungesprächen werden schließlich in einer Shoppingmall gezeigt und dienen als Schnittstelle zwischen Innen- und Außenraum sowie zwischen "staged" und realen Alltagserfahrungen. Diese Grenzsituation erleben auch jene PassantInnen, die an einem markanten Punkt der Innenstadt von einem Sitcomgelächter überrascht werden, eine Intervention, mit der Kendell Geers gewohnte, jedoch inkommensurable Verhaltensmuster zusammenführt.

Die Relation zwischen Innen- und Außenraum erfahren auch die zu Termiten erklärten BesucherInnen und BauarbeiterInnen des Tunnelgeflechts von Ward Shelley, das im Ausstellungsareal errichtet wird und zur Komplizenschaft anregt. Als Beitrag zur identitären Persönlichkeitspositionierung dient Gitte Villesens und Lars Erik Franks Video über die transsexuelle Solveig, das als eines der wenigen Stücke in einem konventionellen Ausstellungssetting gezeigt wird, jedoch auf Problematiken abseits öffentlicher Visibilitätsmomente verweist.

Enactment Stage und öffentlicher raum

Walter Seidl

erschienen in:
artmagazine, 07.11.2002   http://artmagazine.cc