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   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


pressespiegel

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Intelligente Bild(be)arbeiter
Panorama, Ikone, Kosmos: Fotografie, Medienkunst und phantasievoll Gebasteltes überprüft Bilder beziehungsweise spielt lustvoll damit.


Michael Schuster ist Hersteller technisch reproduzierbarer Bilder, der in seinen Werken die technischen Bedingungen seiner Arbeit stets mit reflektiert. Und manchmal - zumindest teilweise - sogar ins Bild bringt. Etwa bei der umfänglichen Serie von Fotos, in denen jeweils ein so genannter "Farbkeil" im Mittelpunkt steht, jenes Hilfsmittel also, mit dem Farbfotografien genormt werden können.

"Dromberg" ist ein neues Projekt des Grazers, das zwar aufwändig, aber einfach aussieht, tatsächlich auch aufwändig, aber sehr komplex ist. "Dromberg" ist ein Steinkreis in Irland, den Schuster als ideales Motiv für seine "Roundshot-Kamera" entdeckt hat. Das Ergebnis ist nun eine fotografische 1 : 1-Rekonstruktion der Kultanlage als 360-Grad-Panorama an den Wänden eines Ausstellungsraums.

Dass Bild und abgebildete Wirklichkeit nicht identisch sind, mag zwar eine Binsenweisheit sein, ist aber gerade in Zeiten unbeschränkter Bildmanipulationen immer wieder in Erinnerung zu rufen. Am augenscheinlichsten ist die Differenz bei "Dromberg" in der Spannung der Überlagerung von Steinkreis und Raumrechteck. Mauervorsprünge und Türen tun das ihre, Wirklichkeitsebenen zu unterscheiden. Nicht sichtbar sind die komplizierten digitalen Bearbeitungen des analogen Bildmaterials, welche etwa Verzerrungen eliminieren und das Ergebnis so aussehen lassen, wie es aussieht.

Digital manipuliert Vuk Cosic aus Ljubljana (und "artist in residence" am Grazer Medienturm) Kunst-Ikonen in seiner "Kunstgeschichte für eine intelligente Gesellschaft". Von Mantegnas "Heiligem Sebastian" bis zu Warhols "Suppendose" setzt er Bildprojektionen Bewegungen im Internet aus. Das bewirkt etwa bei Ersterem, dass die Zahl der Pfeile im Märtyrer-Körper variiert, bei Letzterem der Rot- und Weißanteil der Dosenbemalung. Amüsant.

Viel Witz hat Constantin Lusers "Unit" im Studio der Neuen Galerie. Verspielt im Detail entwirft der junge Grazer einen Kosmos, der nach High-Tech aussieht, aber im Kern phantasievollste Arte povera ist. Fazit: Kunst kann Spaß machen, auch wenn sie intelligent ist.

Michael Schuster. Camera Austria, Graz, Sparkassenplatz 2. Bis 13. Dezember.

Vuk Cosic, Constantin Luser. Neue Galerie, Graz, Sackstraße 16. Bis 1. Dezember.

WALTER TITZ

erschienen in:
Kleine Zeitung, 28.11.2002   www.kleinezeitung.at