home
newsletter subscribieren!
switch to englishdeutsche version  
   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


pressespiegel

<<  zurück

Mechanismus der Macht
Zu den bedeutendsten Opernkomponisten unserer Zeit zählt Salvatore Sciarrino, dessen "Macbeth" ab Donnerstag in Graz zu sehen ist.


"Künstlerische Tradition und Kultur bedeuten nicht, dass man sich zurückwendet, sondern dass man mit einer stetig erneuerten Perspektive lebt", meint Salvatore Sciarrino. Ein Vierteljahrhundert lang hat er sich mit Shakespeares "Macbeth" auseinander gesetzt, bis er ihn zu jenen "drei namenlosen Akten" (so die Gattungsbezeichnung) verarbeitet hatte, die heuer im Juni bei den Schwetzinger Festspielen erstmals das Bühnenlicht erblickten.

Die Uraufführung bescherte dem 1947 in Palermo geborenen Komponisten einen überwältigenden Triumph und eine Fülle hymnischer Kritiken. "Sciarrino hat einen neuen großen Bühnenerfolg hingestellt, der ihn endgültig als einen der wichtigsten Opernkomponisten heute ausweist", resümierte Reinhard J. Brembeck in der "Süddeutschen Zeitung". Zu einem ganz ähnlichen Urteil fand Gerhard Rohde in der "Neuen Musikzeitung": "Salvatore Sciarrino hat sich zu einem der wichtigsten Opernkomponisten der Gegenwart entwickelt."

Sciarrino, der sich gerne als Autodidakt bezeichnet, hat mit seinem "Macbeth" keine Literaturoper komponiert. Als sein eigener Librettist hat er Shakespeares Drama um den schottischen Feldherrn auf drei Ritualmorde reduziert: "Es geht in diesem Werk nicht um einige bestimmte Tote, um einige bestimmte Massaker, sondern um alle Toten, um alle Massaker. Der Mechanismus der Macht als solcher zerstört, wenn er zur Besessenheit wird, immer menschliches Leben."

Ähnlich euphorisches Lob wie Sciarrinos Partitur erntete Achim Freyers Inszenierung: "Selten hat man bei einer Uraufführung Inszenierung und Komposition sich gegenseitig so erhellen gesehen", zollte Klaus Georg Koch in der "Berliner Zeitung" Beifall. Freyers Inszenierung, die als internationale Koproduktion entstand, erlebt diese Woche ihre Österreichpremiere beim "steirischen herbst", der dafür mit dem Klangforum Wien unter Sylvain Cambreling Spitzenmusiker aufbietet.

"Macbeth" von Salvatore Sciarrino im Grazer Schauspielhaus: 7., 8. und 9. November, jeweils 19.30 Uhr.

Karten: Tel. (0 31 6) 81 60 70.

Ernst Naredi-Rainer

erschienen in:
Kleine Zeitung, 4.11.2002   www.kleinezeitung.at