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   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


pressespiegel

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"Wir sind hier mitten in der Stadt und stehen, während alles um uns herum sich bewegt: das macht uns verdächtig und interessant für die Leute, die vor den Bildschirmen der Überwachungskameras stehen," erläutert Bill Brown. Von der Gruppe ESC, die sich selbst nach der Escape-Taste am Keyboard benannt hat, lud zum Stadtrundgang. Gemeinsam mit Sean Kerby, einem weiteren Mitglied der New Yorker Surveillance Camera Players entdeckte Brown binnen weniger Stunden im Grazer Zentrum 50 teils von der Polizei, teils privat montierte Überwachungskameras, deren Standort und Funktion sie während einiger Stadtführungen erläuterten.

Sicherheit ohne Überwachung

Brown und Kerby bezweifeln, dass Überwachungskameras für Sicherheit sorgen können: "Wir fragen uns: Warum sind sie nicht gekennzeichnet, wenn das ihre Aufgabe sein soll?" Ihre Erfahrungen in New York, wo die Gruppe seit einigen Jahren auftritt, zeigen, dass die Straßenkriminalität nur unbedeutend beeinflusst wird; dagegen nimmt die willkürliche und an rassistischen Kriterien wie Haut- und Haarfarbe orientierte Kriminalität zu. Und darüber hinaus glauben sie nicht, dass Kameras Straftaten verhindern könnten: "Eine Kamera kann nicht eingreifen - und bis die Polizisten vor Ort sind, ist meist schon alles vorbei." Sie befürchten dagegen, dass die Kameras die soziale Kontrolle und Selbstkontrolle verstärken werden: "Früher assoziierte man mit Überwachungskameras totalitäre Staaten - sehr zu recht, denn zum Beispiel die Stasi hat solche Geräte geliebt. Nach 1989 aber ist diese Skepsis wenigstens von offiziellen Stellen verstummt."

Mit Sicherheit überwacht

Für die Vorboten einer neuen Generation von Überwachungskameras halten die Surveillance Camera Players die Webcams: mussten und müssen bis heute analoge Videobänder ausgewertet werden, können die Datenbanken digitaler Bilder in Sekundenschnelle nach bestimmten Parametern durchsucht werden. Auf diese Datenspuren greift die Installation Jenny Marketous in der ESC zurück: In vier kleinen und eher symbolisch voneinander abgeteilten Plätzen stehen Rechner mit Netzzugang zur Verfügung, von denen aus Besucher bis zu neun Webcams auswählen und wie in einem Kontrollraum gleichzeitig überblicken können. Dass zwei der Kameras wiederum auf die Benutzer der Rechner gerichtet sind, fällt erst auf den zweiten Blick auf. Praktisch jeder einzelne Klick wird andererseits auch sichtbar protokolliert und ist über die Website jedem Besucher zugänglich: Die Überwachung und die Überwacher werden ihrerseits überwacht.

erschienen in:
Orf On, 30.10.2002   http://kultur.orf.at