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   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


pressespiegel

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Gesuchtes Understatement
Keinesfalls bescheiden ist die Qualität der Arbeiten von "Modesty", dem Projekt, das sich in weiteren Ausstellungen weiterentwickeln wird.


"Modesty" (Bescheidenheit) nennt sich ein Ausstellungsprojekt des "Pavelhauses" im Rahmen des "steirischen herbstes", das auf die bereits seit fünf Jahren bestehende Zusammenarbeit zwischen elf Künstlern und den Kuratoren Lívia Páldi und Gregor Podnar aufbaut. Die Arbeiten spüren diversen Erscheinungsformen von Bescheidenheit - wie Dezenz, Schlichtheit oder Understatement - nach und versuchen gleichzeitig eine Thematisierung des Begriffes (Kunst-)Objekt. Tatsächlich zeichnet die keineswegs bescheidenen Ergebnisse dieser Suche wohltuende Unaufdringlichkeit aus, die gerade in ihrer Reduziertheit Wirkung und Spannung erzeugen. Skurril bis beklemmend sind die Videosequenzen von John Wood und Paul Harrison. Zwei an je einem Bein aneinandergebundene Männer versuchen in "3 legged" dem Beschuss von Tennisbällen auszuweichen und auch der in einem halb mit Wasser gefüllten Quader sitzende Mann ("Harry Houdini - there‘s no escape that I can see"), der durch ständiges Kippen des Gefäßes nach neuem Atemraum suchen muss, verströmt Bedrohung. Leif Elggrens Performancevideo "As if I was my father", auf dem er sich selbst mit Unterwäsche bekleidet auf einem Stuhl posierend darstellt, zeigt gemeinsam mit Fotografien und Texten eine Reflexion zur Hierarchie und Symbolik von Stärke. "Kaplegraf: Drops of Reason" ist der Titel einer ironischen Installation von Vadim Fiskin. Sein "Kaplegraf" überträgt Informationen in eine Wassertropfen-Sprache: Er löst wie ein Zirkuspferd vom Besucher gestellte Rechenaufgaben und spricht sie mit computergenerierter Stimme aus - das Ergebnis wird mit von der Decke fallenden Wassertropfen dokumentiert. In fünf monochromen kreisförmigen Gemälden als Objekten der Kontemplation möchte Joze Barsi beweisen, dass "Handeln nicht mit Denken, sondern mit behutsamem Beobachten beginnt". Carl Michael von Hausswolff, bedeutsamer Vertreter der schwedischen Sound Art, unternimmt mit seinen Radarbildern wie "Possible Identification of one or more falling Angels" den Versuch einer Kommunikation mit dem Übernatürlichen. Spannende Transformationen von Licht und Schatten gelingen Goran Petercols in einem minimalistischen Arrangement von gekrümmtem Metallblech und weißem Licht aus dem Diaprojektor.

Eva Schulz

erschienen in:
Kleine Zeitung, 2.11.2002   http://www.kleinezeitung.at