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   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


pressespiegel

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Wenn du ganz bei dir bist, dann hast du es geschafft
Lars Erik Frank und Gitte Villesen präsentieren im Rahmen des Steirischen Herbst ihre Videos mit der Transsexuellen-Aktivistin Solveig - uns gab sie ein Interview


Solveig war früher Niels. Verändert hat sich seit 199x scheinbar nur die Oberfläche, die Hülle. Solveig nimmt zwar Östrogene, hat aber ihr physisch-männliches Geschlecht behalten. Solveig verliebt sich auch weiterhin in Frauen. Hat 1999 die Kleider von Niels weggeworfen, mit dem sie nichts mehr verbindet, als ihren Körper. Ihre Kinder und Enkelkinder sprechen nicht mehr mit ihr. Aber: "Niels war ein Macho, der seine weibliche Seite unbedingt verstecken wollte ..." Seit er diese ausleben kann, lebt Solveig - in jeder Bedeutung dieses Wortes.

***

dieStandard.at Mädchen werden zu Frauen erzogen, Buben zu Männer. Wann hast du dir das erste Mal die scheinbar obsolete Frage gestellt, welches Geschlecht du besitzt?

Solveig Ich war 11 Jahre alt. Wir hatten eine Karneval-Party zu Hause und kurz bevor die ersten Leute gekommen sind, hat meine Mutter bemerkt, dass ich gar kein Kostüm hatte. Sie hat mir vorgeschlagen, ein Kleid von meiner Schwester anzuziehen. Ich war so böse auf sie, weil ich Mädchenkleider tragen musste. Aber ich tat es, und etwas total Eigenartiges passierte mit mir. Ich war wie weggetreten. Ich habe rund um mich gar nichts mehr mitbekommen und in meiner "Klein-Mädchen-Welt" gelebt. Ich war so glücklich. In den ersten 18 Jahren hab ich gar nicht gewusst, was mit mir los ist. Ich hab ja nicht einmal das Wort "Transvestit" gekannt ... Ich bin heterosexuell und hatte schon sehr früh Freundinnen. Aber ich konnte das alles nicht verstehen.

dieStandard.at Und wann konntest du deine Gefühle "richtig" einordnen?

Solveig Ich hab einen Leserbrief in einer Zeitung gelesen, da war ich ungefähr 30. Da haben Männer genau die gleichen Fragen gestellt wie ich. Da hab ich mir gedacht: Jawohl, da gibt es noch einen! Und ich hab gelesen, dass es einen Club für solche Menschen gibt. Dann können das doch gar nicht so wenige sein! Ich lebte damals in einer Ehe, in der diese Gefühle nicht akzeptiert wurden, deshalb hab ich auch gar nichts in diese Richtung unternommen. Erst mit 60 bin ich das erste Mal dorthin.

dieStandard.at Ziemlich spät, oder?

Solveig Ja, das ist wahr. Mein Pass zum Beispiel ist aus dem Jahr 1997, da seh ich ganz anders aus. Noch mit Bart. (lacht) Heute hab ich ein Zusatzdokument, damit ich diesen Reisepass verwenden kann. Das war gar nicht so leicht, gesetzlich müsste ich mich nämlich operieren lassen, um einen weiblichen Pass ausgestellt zu bekommen. Das will ich aber nicht.

dieStandard.at Worüber definierst du dich als Frau?

Solveig Ich mag Männer nicht. Sie sind dumm. Es gibt sehr wenige, mit denen ich umgehen kann. Sie denken so "eckig". Die normale Frau ist multi-tasking. Sie kann sitzen und stricken und fernsehen und mit dir tratschen. Als ich angefangen habe, allein zu wohnen und mir das Essen zu machen, hab ich das so gemacht: zuerst die Kartoffel, dann das Fleisch, dann das Gemüse. Als das letzte fertig war, war das erste schon wieder kalt. Jetzt mach ich das alles nebeneinander.

dieStandard.at Als Frau und Feministin muss ich mir auch immer wieder die Frage stellen, was macht mich zur Frau. Und was bedeutet das überhaupt? Du definierst dich selbst als Frau, gibts dir sozusagen Eigenschaften die dich weiblich machen. Welche sind das für dich?

Solveig Wie gesagt, Männer denken "eckig". Sie machen nichts, wenn sie das Ziel, dass sie dadurch erreichen, nicht erkennen. Frauen brauchen das nicht. Frauen sind Menschen und deren Gedanken wichtig. Heute habe ich mit ungefähr neun oder zehn Frauen gesprochen. Nur mit Frauen! Ich sag dir eines: Männer sind homophob. Die fürchten sich zu Tode. Die glauben, ich bin ein Homo. Bin ich aber nicht, ich hab meine Sexualität beendet sozusagen. Ich muss dir eines sagen: als mich meine Familie verlassen hat, war ich sehr traurig. Aber eine ganz gute Freundin von mir hat gesagt: Du hast so viele Jahre versucht, 700 Prozent Niels zu sein, und du hast es nicht geschafft. Jetzt versuchst du, 700 prozentig Solveig zu sein. Und die schaffst es auch nicht. Wenn du den Punkt erreichst, an dem du 700 Prozent du selbst bist, dann ha

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erschienen in:
diestandard.at, 2.11.2002   http:/7diestandard.at