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   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


pressespiegel

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Graz 2003 - Eröffnung mit der Uraufführung einer neuen Oper
Orpheus-Mythos am Beginn der Kultur-hauptstadt-Projekte


Der Reigen der Kulturhauptstadtereignisse 2003 in Graz wird nicht nur mit einem großen Fest für die Grazer und ihre internationalen Gäste eröffnet, sondern durch ein künstlerisches Ereignis der besonderen Art. Opernerlebnis in neuem Haus Am Donnerstag (09.01.) feierte in der neu erbauten Helmut-List-Halle - eine Halle für Musik, Musiktheater und Musikexperiment – Beat Furrers neueste Oper ihre szenische Uraufführung. Begehren heißt die Oper, die nach Texten von Cesare Pavese, Günter Eich, Ovid und Vergil entstanden ist und im Rahmen des steirischen herbstes 2001 im Grazer Schauspielhaus erstmals konzertant zu erleben war. Dass auch die szenische Präsentation von Furrers Begehren zu einem künstlerischen Ereignis erste Güte wird, dafür sorgen Reinhild Hoffmann, die das Werk inszeniert, und die Architektin Zaha Hadid, die das Bühnenbild zu diesem komplexen Werk geschaffen hat. Beat Furrer - und sein Musiktheater Im Musiktheater Die Blinden beschäftigte sich Beat Furrer mit zentralen Fragen unserer Identität, im 1994 beim steirischen herbst uraufgeführten Narzissus stand das Problem der Entfaltung von Subjektivität in der heutigen Gesellschaft im Mittelpunkt. In seinem neuesten Werk Begehren, dem er sich in den letzten Jahren gewidmet und in dem er die künstlerischen Impulse, die er in den letzten Jahren entwickelt hat, weitergetrieben hat, geht er vom Orpheus-Mythos aus, der ihn besonders aus der vielschichtigen und facettenreichen Sicht Cesare Paveses gefesselt hat. Versuch einer Objektivierung? Furrer war es wichtig Distanz zum Mythos zu schaffen, daher auch der Text von Günther Eich, der im Grunde keinen direkten Bezug zum Orpheus-Mythos hat, sondern der Figur der Eurydike eine neue Perspektive verleiht. Beat Furrer nähert sich dem Mythos von allen Seiten, deutet ihn aus verschiedensten Perspektiven, macht unterschiedliche Facetten deutlich. Der kollektive Vokalpart wird von einem Chor wahrgenommen, der zuerst das Geschehen kommentiert und gegen Ende immer mehr zu einer Art Verstärker für die Stimme der Eurydike wird. Daher stellt der Komponist den 14 Sängerinnen und Sängern ein im Vergleich kleines Ensemble gegenüber aus Holz-, Blechbläsern, Streichern, einem Pianisten und zwei Perkussionisten gegenüber. Komponist als Interpret Beat Furrer wird die Aufführungen in der Helmut-List-Halle selbst leiten. Gemeinsam mit den Instrumentalisten des ensemble recherche, das sich für diese Aufgabe auch Gäste eingeladen hat, dem 12-kehligen Vokalensemble Nova, Tänzerinnen und Tänzern werden die Sopranistin Petra Hofmann und Johann Leutgeb als Sprecher Beat Furrers Musiktheater zur Uraufführung bringen. Damit liegt der musikalische Part der Produktion in den bewährten Händen jener Protagonisten, die auch schon für den Erfolg der konzertanten Aufführung im Jahr 2001 gesorgt haben.

Franz J. Kerstinger

erschienen in:
ORF.ON, 07.01.2003   steiermark.orf.at