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   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


pressespiegel

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Steirischer Herbst
Jelinek & Schubert im Grazer Schauspielhaus


Graz - Sang- und klanglos fielen Elfriede Jelineks Prinzessinnendramen "Der Tod und das Mädchen I - III" zur Hamburger Uraufführung in den Orkus. Doch eines - das letzte - der drei Dramolette war nur scheintot. Im Grazer Schauspielhaus ermöglichte das Festival "steirischer herbst" glanzvolle Auferstehung. - So rissen die ersten beiden Stückchen, böse feministische Märchenparaphrasen auf, auch hier keinen vom Stuhl. Denn Brigitte Landes' Inszenierung von Stück eins begnügt sich mit Verdreifachung des Dialog-Personals. Und Marc von Henning, der auf dem internationalen Regiehimmel als aufgehende(r) Stern(schnuppe) gilt, macht bei Stück zwei aus dem Text-Material ohne Rücksicht auf Verluste ein ulkiges Multimediaspektakel mit vielerlei, nicht zuletzt politischen Anspielungen. Mittelprächtig.

Nach der Pause indes gerät man sofort in den Bann einer faszinierenden Darbietung. Selten ist eine ästhetisch so perfekte Umsetzung komplexer Sprachstrukturen zu erleben. Elfriede Jelineks "Rosamunde" geht auf ein Stück der Schriftstellerin Helmina von Chézy zurück, zu dem Franz Schubert 1823 die Schauspielmusik schuf. Der Schweizer Regisseur Ruedi Häusermann antwortet darauf mit gebotener Strenge, mit Tonkunst auf Wortkunst. Nichts wird plump illustriert. Ein Streichquartett verfremdet Schuberts "Rosamundenquartett" in a-Moll. Zauber der Metamorphose: Das Abstrakte der Geschichte wirkt durch die Sinnlichkeit kammermusikalischer Abstraktion plötzlich konkret. Isabelle Menkes Rosamunde begehrt dagegen auf, kein Gehör zu finden. In virtuosen Satzkaskaden und raffinierter Choreografie lässt sie sich auf einen Konzertwettkampf mit den anderen Instrumentalisten ein. Da stimmt nun alles: Rhythmus, Schicksalsmelodie, Tempo - eine Stunde reinen, buchstäblichen Musiktheaterglücks. Ulrich Weinzierl

Karten: (0043 316) 8000

erschienen in:
Die Welt, 31.10.2002   http://www.welt.de