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   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


pressespiegel

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Bemühte Metaphorik


Sollten Sie zu den Menschen gehören, die sich in ihrer Freizeit über Vollledersitze, Wurzelholzblenden oder eine automatische Heckklappenbetätigung Gedanken machen, dann sagt Ihnen sicher der Begriff "Fondorientierte Ausstattung" etwas. Für alle anderen: Es handelt sich dabei um eine Möblierung der Rücksitze, vorwiegend von Limousinen der Superluxusklasse, mit allen Schikanen wie Fernsehschirme oder Schminkspiegel.

Was Cosima von Bonin dazu bewogen hat, ihre Ausstellung im Grazer Künstlerhaus nach dieser Einrichtung zwischen Funktionalität und Dekadenz zu benennen, ist nicht ganz klar. Recht poppig kommen ihre Stoffbilder, an Seilen im Raum aufgehängt, daher. Westernhelden, Gartenzwerge und Smileys tummeln sich auf Tischdecken, Taschentüchern und Jeansstoffen. Da hängt ein Faden runter, dort ist ein Hund nicht fertig gestickt. Streng geometrisierte Hintergründe scheinen sich über die geometrische Abstraktion lustig zu machen.

Dann wieder ein gekentertes Segelboot, genauer: Ein Schärenkreuzer, den Cosima von Bonin originalgetreu nachbauen hat lassen und der einen Großteil des Raumes einnimmt. Weiter hinten überdimensionale Pilze, mit dem cremefarbenen Cordstoff überzogen, der in diesem Winter so in ist. Die Pilze, Cosima von Bonins Markenzeichen, konnotieren die schützende Funktion einer Gruppe (oder sollen dies zumindest tun). Denn Bonin ist eine Gruppenarbeiterin, die unterschiedliche Netzwerke und Kontexte miteinander verbindet: So hat sie zur Eröffnung ihrer Ausstellung die Gruppe Tocotronic für ein Konzert eingeladen, bezieht sich mit ihrem Katalog (der eher den Charakter eines "Künstlerbuches" hat) auf Yves Saint Laurent und - natürlich! - kuratiert auch selbst.

Dennoch: Die Pilze bleiben simpel und langweilig, die Luxus-Metapher, die der Schärenkreuzer angeblich transportiert, wirkt aufgesetzt, und die Stoffbilder sind zwar witzig, aber auch etwas leer. Vielleicht ist es interessanter, mit Cosima von Bonin zu arbeiten als ihre Ausstellungen zu besuchen.

(8010 Graz, Burgring 4, bis 01.12.2002)

Nina Schedlmayer

erschienen in:
Artmagazine.cc, 20.11.2002   http://artmagazine.cc