home
newsletter subscribieren!
switch to englishdeutsche version  
   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


pressespiegel

<<  zurück

Barbaren – Kampfvokabel der Gegenwart
Mit dabei beim Barbaren-Symposium: Klaus Theweleit, dessen „Männerphantasien“ in den Achtzigern Pflichtlektüre waren


In den Debatten der letzten Zeit war „barbarisch“ eines der häufigsten Schlagworte: für die Ermordung des Journalisten Daniel Pearl vor laufender Kamera und die Erschießung von Sanitätern des Roten Halbmonds ebenso wie für den Terroranschlag auf das World Trade Center. Auch im israelisch-palästinensischen Konflikt zählt diese Kampfvokabel seit Jahren zum Standardrepertoire der Auseinandersetzungen. Nach der Kolonialismuskritik der letzten Jahrzehnte muss der Begriff „Barbaren“ eigentlich als anstößig gelten. Was macht ihn dennoch zu einem zentralen Terminus politischer Kontroversen? Der Wunsch nach rhetorischer Übertreibung und die Tatsache, dass sein impliziter moralischer Rigorismus so verführerisch klare Verhältnisse suggeriert? Oder sind reale und fiktive Barbaren einfach unverzichtbar für die Konstituierung eines jeden „zivilisierten“ Gemeinwesens? Unsere Zeit und die Reflexion über sie sind geprägt von gewalttätigen Identitätskonflikten. Partikularistischen Interpretationen von Kultur steht der Universalismus der Moderne gegenüber: die Vorstellung, dass jeder Mensch Anspruch auf Freiheit, Respekt, Gleichheit und Selbstbestimmung hat. Es sind nicht bloß „undemokratische“ staatliche Akteure oder „Terrorpaten“, sondern auch Vertreter institutioneller Religionen, die hingegen behaupten, die Menschenrechte seien bloß „westliche“ Werte. Soll in diesem Sinn also der Relativismus das letzte Wort haben: „Jeder Kultur ihre Barbaren?“ Diesen und anderen Fragen will man vom 14. – 16. November bei einem Symposion des steirischen herbstes an der Uni Graz nachgehen, zu dem internationale ReferentInnen wie etwa Klaus Theweleit, Theo Steiner, aber auch Mitglieder der lokalen scientific community wie Elisabeth List oder Karl Kaser geladen sind.

erschienen in:
Korso 10/2002   http://www.korso.at