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   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


pressespiegel

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Bewegende Bilder & Bilder in Bewegung
Ein mobiles Kunstprojekt im öffentlichen Raum von sieben Städten und internationale Kunst zu Fragen der Mobilität und der Identität.


Seit einem Jahrzehnt bringt das Wiener "museum in progress" internationale Kunst "anders" unters Volk: auf Plakaten, in elektronischen und Printmedien, auf den Eisernen Vorhängen von Wiener Staatsoper (derzeit ein Motiv von Giulio Paolini) und Komischer Oper Berlin, auf Museumswänden. Ab sofort auch an der Fassade des Grazer Schauspielhauses.

Gemeinsam mit Letzterem, Graz 2003 und <rotor\>, der Grazer "association for contemporary art" (genauer gesagt: deren "Balkan-Konsulat") präsentiert das "museum in progress" im Zwei-Monate-Rhythmus Beiträge von jeweils zwei Künstlern aus Prag, Istanbul, Budapest, Sarajevo, Wien, St. Petersburg und Belgrad. Aus der serbischen Metropole kommen Mirjana Djordjevic und Dejan Grba, die für die Wände am Freiheitsplatz sehr unterschiedliche Beiträge konzipiert haben. Djordjevic "verschickt" SMS mit plakativen Inhalten ("only hot stuff counts"). Grba konfrontiert mit Beispielen aus der Serie "The Deceased", für die der Künstler alte und junge Menschen nach Todesbildern befragt und diese umgesetzt hat. Ein spannungsvolles Kontrastprogramm, das durch die erwähnten Städte rotieren wird.

Parallel findet in den Räumen von <rotor\>, wie berichtet, bereits die erste Präsentation einer "Balkan"-Kunstszene, eben jener Belgrads, statt. St. Petersburger Künstler folgen im Jänner 2003. Kunst und Bewegung

ist das Thema von "routes", der "herbst"-Schau des Grazer Kunstvereins. Die "wechselseitigen Bedingungen von Ortsveränderung und Imagination" (Kurator Christian Kravagna) sind Gegenstand von acht internationalen Künstlerinnen und Künstlern. In Bildern des Fremden, des Unterwegsseins, nicht zuletzt von Heimat.

Um Klischees, welche die erwähnten Bilder des Fremden belasten, drehen sich Lisl Pongers "From the Wonder House" und Dorit Margreiters Video "Women of the Orient". Aus einem gleichnamigen Buch "über die sinnlichsten Frauen der Welt" liest gleichermaßen ungläubig wie amüsiert die Mutter der diesjährigen Otto-Mauer-Preisträgerin, eine Chinesin. "documenta 11"-Teilnehmerin Ponger stellt ihr arabisch anmutendes, aber im Burgenland fotografiertes Selbstporträt in einen Rahmen aus amerikanischen und deutschen "Exotik"-Filmen.

Martin Becks Route folgt Bildern aus Michelangelo Antonionis "Beruf Reporter". Gülsün Karafmustafa führt im wunderbaren Fotoromanzo "The Hotel Room" in einen emotionalen Zwischen-Raum. Vivan Sundaram bearbeitet Fotos aus den Alben seines kosmopolitischen indischen Großvaters und schafft Bilder, in welchen sich "routes" und "roots" (Wurzeln) sinnfällig überlagern.

museum in progress. Schauspielhaus Graz, Freiheitsplatz. Bis Anfang 2004.
Balkan Konsulat: Belgrad. <rotor\>, Graz, Belgiergasse 8. Bis 21. Dezember.

routes. Grazer Kunstverein, Bürgergasse 4/II. Bis 22. Dezember.

Walter Titz

erschienen in:
Kleine Zeitung, 21.11.2002   www.kleinezeitung.at