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   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


pressespiegel

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steirischer herbst 2002
Wachküssen mit Jelinek


In Graz hat am Nationalfeiertag Elfriede Jelineks "Der Tod und das Mädchen" Österreich-Premiere. Weitere vier Musiktheater-Produktionen sind beim Steirischen Herbst zu erleben.

Mit einem Luftsprung "so an die zwei Meter vierzig hoch" will der Intendant des Steirischen Herbsts, Peter Oswald, die Fixierung des David Lynch-Stücks "Lost Highway" für das Programm 2003 bejubelt haben. Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek werden für den "Herbst 2003" auf Basis des Lynch-Skripts ein Libretto gestalten.

Zusammen mit drei weiteren Musiktheaterproduktionen, u. a. Beat Furrers "Begehren" als Eröffnungsstück des Europäischen Kulturhauptstadtjahres im Jänner 2003, will Oswald in dem ihm eigenen Selbstbewußtsein "Theatergeschichte schreiben" - und mit der Österreich-typischen Leidenschaft aufräumen, "einen Künstler erst dann zu schätzen, wenn er tot am Zentralfriedhof liegt."

So wird Jelinek auch schon im heurigen "Herbst"-Programm vertreten sein. Ihr dreiteiliges Prinzessinnendrama "Der Tod und das Mädchen" wird am 26. Oktober, zwei Wochen nach seiner Uraufführung in Hamburg, in einer Koproduktion mit dem Grazer Schauspielhaus erstmals in Österreich zu sehen sein. Josef Winklers szenische Befragung "Tintentod" wurde letztes Jahr auf der Probebühne des Schauspielhauses uraufgeführt, ab 27. Oktober wird aufgrund des großen Publikumsinteresses eine Neufassung zu erleben sein.

Als weiterer Höhepunkt der vor zwei Jahren begonnenen Zusammenarbeit des Schauspielhauses mit dem "Herbst" ist die österreichische Erstaufführung von Salvatore Sciarrinos "Macbeth" avisiert. Schauspielhaus-Direktor Matthias Fontheim will durch die Kooperation seines Hauses mit dem Festival diesem nicht nur seine "Sprungbrett-Funktion für junge Künstler wiedergeben", sondern auch gegen die "Übermacht der Tradition" im Publikum ankämpfen. Ein Publikum, das man "wie eine Prinzessin immer wieder wachküssen muß", assistiert Oswald.

Der Steirische Herbst selbst soll damit wieder jene avantgardistische Speerspitze werden, als die er lange firmierte. Auch wenn sich Oswald gegen dieses Klischee in der öffentlichen Wahrnehmung wehrt. "Es stimmt nicht, wenn als Logo aus 35 Festival-Jahren nur vier Skandale hängengeblieben sind." Das weitere Programm des Steirischen Herbst wird Anfang Juni bekanntgegeben.

hoe

erschienen in:
Die Presse   http://www.diepresse.at