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   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


steirischer herbst 2002
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Begehren
Musiktheater in zehn Szenen von Beat Furrer nach Texten von Cesare Pavese, Günter Eich, Hermann Broch, Ovid und Vergil
Auftragswerk / Szenische Uraufführung
Dirigent     Beat Furrer
Regie und Choreographie     Reinhild Hoffmann
Bühnenbild     Zaha Hadid
Ort   Helmut-List-Halle
Premiere   9. 1. 2003, 20 Uhr
Weitere Aufführungen   10., 11., 16.,17., 18. 1. 2003
 
Koproduktion    steirischer herbst und RUHRtriennale
Kooperation    mit Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas
Hauptsponsor    Estag


Im Verlauf des 20. Jahrhunderts ist den maßgeblichen KomponistInnen der Moderne die herkömmliche Oper als Überhang von Tradition zunehmend problematisch geworden. Innovative Entwürfe für Musik und Szene fordern Grenzüberschreitung, Aufhebung der etablierten Konventionen, neue Klangkonstellationen, modifizierte Vokalcharaktere und Figuren, schließlich andere Räume. Der Kanon von Geschichte und Überlieferung war vollkommen brüchig geworden. Wie aber ist es heutzutage möglich – in diesem Bewusstsein – scheinbar aufgegebene Wege kreativ wieder zu entdecken und verbindlich neu zu formulieren? Beat Furrer ist den kritischen Weg ins Offene mit dem Genre Oper als Paradigma im Wechselbezirk von Klangszene, Optik und Sprache seit den Blinden und Narzissus stets konsequent im Sinne von Erneuerung weitergegangen. Sein neues Werk für Musik und Theater ist eine Art Mythenrekurs – mehr noch: dezidiert der Versuch, den Ursprung von Oper radikal aufzudecken mit dem Ziel, das Genre im Lichte unserer Erfahrung neu zu reflektieren. So wird in Begehren die Oper als Endspiel und als Spiel vom Ende aufgehoben und in Frage gestellt, als Gattung gänzlich modifiziert und umdefiniert zugleich. Mythentradition wird noch einmal vollkommen musikalisch und in Territorien eines epischen Musiktheaters überführt. Das eigentliche Drama ereignet sich nach dem großen Erschrecken – a terrendo werden sie wieder aufgeblättert: Orpheus Books. Die mythische Fabel wird aus der Antike ins Akut unserer Gegenwart projiziert: In seiner Lesart von Geschehen und Geschichte folgt Beat Furrer den rätselhaft–verschlungenen Pfaden des Orpheus–Mythos mit der Intention, die Leerstellen und Hohlräume, die sich um die Episoden aus ferner Vorzeit gebildet haben, aufzuspüren. Seine Orpheus-Metamorphosen sind Varianten und Variationen über den verbotenen Blick, über diese eine und einzige falsche Bewegung mit bekanntermaßen fatalen Folgen. Aus verschiedenen Perspektiven wird der gebrochene Mythos immer wieder umkreist, gespiegelt und reflektiert. Furrers Klanghorizonte heben dabei den Augenblick auf, bündeln Zeit und Geschichte. So wird Begehren zu einer Art Mythenstenogramm, einer Schicksalsmusik, worin es niemandem so recht vergönnt ist, dem Bann zu entrinnen. Die Suche nach dem anderen Zustand endet in verdoppelter Einsamkeit. Die konzertante Uraufführung dieses Auftragswerks fand bereits im Rahmen des steirischen herbst 2001 statt, die szenische Umsetzung von Reinhild Hoffmann wird im Bühnenbild von Zaha Hadid den steirischen herbst 2002 beenden und das Kulturjahr Graz 2003 – Kulturhauptstadt Europas eröffnen.
Wolfgang Hofer

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