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   suche   steirischer herbst, 24. Oktober - 24. November 2002


steirischer herbst 2002
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Wer erzählt, lebt.
Stimmen und Texte einer Literatur der Existenz
Lesungen
Konzept     Thomas Kraft
Ort   Forum Stadtpark
Termin   1. 11. - 10. 11. 2002
 


Wenn größere Sinnzusammenhänge fehlen, können Lebensentwürfe ins Wanken geraten, und manche Leiderfahrung wird als existentielle Krise empfunden. Wer hingegen seinen Schmerz und seine Angst artikuliert, kann ein Ventil der Befreiung öffnen. Denn wer zur Sprache findet, hat nicht aufgegeben. Er setzt Zeichen der eigenen Existenz und – wenn er zum Sprachrohr der Sprachlosen wird – übernimmt Vermittlungsfunktionen. Darin liegt ein aufklärerisches, politisches Moment begründet, auch wenn Literatur keine unmittelbaren Resultate zu erzielen vermag. Die individuelle Existenz steht in kulturellen Kontexten, das Einzelschicksal kann auf eine kollektive Erfahrung verweisen. Unter bestimmten gesellschaftlichen Bedingungen kann Literatur sogar Funktionen des Widerstandes übernehmen. Vor allem aber legt sie Zeugnis ab, vom Bemühen zu überleben und dabei ein Mensch zu bleiben. Denn nicht zuletzt ragt der Schatten des Krieges bis heute auf vielerlei Weise in unsere Gegenwart hinein und verändert sie permanent. Eine „Literatur der Existenz“, wie sie zum Beispiel um 1910 im Expressionismus, in der deutschen Nachkriegsliteratur der fünfziger Jahre oder im Zuge des französischen Existentialismus verortet werden kann, korrespondiert mit grundlegenden Erfahrungen wie zum Beispiel Entfremdung, Ohnmacht und Angst. Sie weiß, angesichts der Fremdheit und Rätselhaftigkeit der Welt, um das letztlich Ungeborgensein und die Begrenztheit des eigenen Seins, um die Geworfenheit in eine oft unverständliche Wirklichkeit . Eine „Literatur der Existenz“ ist zugleich Dokument subjektiver Erfahrung und Ausdruck gesellschaftlichen Bewusstseins. Sie ist radikal, offen, widerständig, provokant und wahrhaftig. Sie dient als Schutzraum und als Form, Wesentliches vor dem Vergessen zu bewahren. Sie geht an die Substanz und den Dingen auf den Grund – in jeder Beziehung.

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